Paartherapie
Eine Paartherapie ist sinnvoll, wenn beide einen hohen Leidensdruck haben und sich ändern wollen. Eine gemeinsame Behandlung bei einem Therapeuten ist ratsam. Es hat wenig Zweck, einen Partner zu einem anderen Therapeuten zu schicken, wenn dieser z. B. eine andere Auffassung von Partnerschaft hat. Ich führe Paarbehandlungen nur getrennt durch. So hat jeder der beiden die Möglichkeit, mir seine Sichtweise darzustellen, ohne durch den Partner beeinflußt zu werden. Die Beziehung, ihre Gefährdung und ihre Möglichkeiten stehen stets im Zentrum der psychotherapeutischen Behandlung.
Zunächst gilt es zu prüfen, ob beide eine Behandlung wünschen. Wenn nicht, ist eine Paarbehandlung auch ohne Partner möglich: Ein Paar bildet nämlich ein System, das sich verändert, wenn ein Teil des Systems neue Seiten entwickelt. Wollen beide die Ehe aufrechterhalten, so ist der außerhalb der Therapie Stehende notwendigerweise veranlaßt, sich mitzuentwickeln. Im Grunde behandelt der Psychotherapeut in solchen Fällen zwei Menschen, wobei der eine als Schatten, als wichtige Beziehungsperson, immer in der Therapiestunde zugegen ist.
Der Andere ein schlimmer Gegner
Wenn ein Partner sich über den anderen beklagt, so entsteht nicht selten ein Bild, das einem den Partner als Sexmuffel erscheinen läßt, als ewigen Nörgler oder als sexbesessen. Lerne ich jedoch dann das Gegenüber kennen, so korrigiert sich der bisherige, vom Hören her entstandene Eindruck schlagartig. Ich stelle fest, daß jeder der beiden seine schwachen Seiten hat, daß er jedoch längst nicht in dem berichteten Ausmaß erkrankt ist. Aufgabe der Therapie wird es sein, die Verzerrungen, die auf beiden Seiten vorgenommen werden, in einem milderen Licht entstehen zu lassen, indem beide lernen, ihre Wünsche zu äußern, sich abzugrenzen oder durchzusetzen.
Der sexuelle Rückzug häufig unbewußt und das Paar im Zentrum treffend
Nicht selten behandle ich Paare, die seit mehreren Monaten oder gar seit Jahren keinen Sex oder kaum miteinander hatten. Sie leben wie Bruder und Schwester miteinander, manchmal friedlich, manchmal voller Ablehnung und gegenseitiger Vorwürfe. Häufig stehen wie im Märchen Schicksalssprüche über diesen Menschen: "Findet nicht zueinander! Werdet Euch fremd! Geht fremd! Streitet Euch, damit ihr die Nähe zerstört und wieder zu den Eltern zurückkehrt!" Aufgabe des Therapeuten wird es sein, die unbewußte elterliche Bindung, die häufig hinter einer auseinandergelebten Partnerschaft als Ursache steht, bewußt zu machen und sie zu überwinden, indem sich das Paar wieder lebendig liebt.
Suche nach Harmonie
Bei einigen Ehepaaren wird das Gemeinsame, das Friedfertige überbetont. Diese Paare ersticken an einem Zuviel an Nähe und an Liebe, die dann nicht mehr wohltuend und stärkend sind, sondern verschlingend und klammernd. Die Autonomie eines jeden zu stärken, die Angst des einen vor der Welt zu mindern und die Durchsetzungsfähigkeit des anderen dem anklammernden und ängstlichen Gegenüber zu stärken, wird Ziel einer Psychotherapie sein. Typisch für diese Paare sind abendliches ausdauerndes Fernsehen des einen, während der andere nach Leben dürstet, sich dieses aber auch nicht aus einer unbewußten Opferhaltung heraus erlaubt. Fast immer verbergen sich elterliche Bindungen und die fehlende Erlaubnis, sich von der Vergangenheit, dem Elternhaus zu lösen, hinter diesen stickigen Eheatmosphären.
Wovor ein Paar Angst hat
- Angst vor Nähe.
- Angst vor Sexualität.
- Angst, Nein zu sagen.
- Angst, sich hinzugeben.
- Angst, sich von der Vergangenheit, den Eltern zu lösen.
- Angst, selbständig, allein etwas zu tun.
- Angst, Verantwortung für die Partnerschaft und die Liebe zu übernehmen.
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