Familien- und Kindertherapie
Sobald Kinder in neurotischen Familien aufwachsen, können sie zu Symptomträgern werden und Verhaltensstörungen aufweisen. Oft können sich Väter oder Mütter nicht gegenüber den hohen Anforderungen und Ansprüchen ihrer Kinder abgrenzen. Sie meinen es gut mit ihren Kindern, haben Schuldgefühle oder nicht gelernt, gegenüber Kindern Konsequenz und Grenzen aufzuzeigen. Allein das Wort Härte erzeugt schon in uns ein Schuldgefühl, da dieses Wort - gesellschaftlich betrachtet - verpönt ist. Es sind jedoch gerade die Kinder, die unter Grenzenlosigkeit zu leiden haben. Ein gesunder Mittelweg zwischen Liebe, Nachgeben und Fordern ist nicht einfach zu finden. Worüber klagen Eltern zumeist sind es die Mütter?
- Meine Tochter stampft mit dem Fuß auf und kriegt furchtbare Tobsuchtsanfälle.
- Mein Kind zieht sich nicht an.
- Mein Sohn nimmt Hasch.
- Er steht nicht von alleine auf. Ich muß ihn jeden Morgen wecken.
- Ich muß jeden Abend solange am Bett meiner Tochter sitzen, bis sie eingeschlafen ist. Ich halte das nicht mehr aus.
- Mein Kind wird jede Nacht wach und kommt in unser Bett. Nur so schläft er wieder.
- Mein Kind wird in der Schule gehänselt.
- Meine Söhne vertragen sich nicht. Sie machen sich fertig. Es ist furchtbar, wie sie miteinander umgehen.
- Meine Tochter ist jeden Tag zu Hause. Sie will keinen Kontakt zu anderen. Früher war das ganz anders. Im Kindergarten hat man ihr etwas von bösen Männern erzählt, die sich an Kindern vergehen. Seitdem ist sie so ängstlich geworden.
- Mein Kind ißt nicht mehr.
- Mein Kind nimmt Heroin.
Allein die Fülle dieser Klagen zeigt das unterschiedliche Ausmaß von Verhaltensstörungen bei Kindern. Die Unordnung wieder ins Gleichgewicht zu bringen, Eltern zu sensibilisieren, zu stärken oder in ihrer Überfürsorglichkeit zu mildern, ist ein lohnendes und oft rasch erreichbares Ziel, wenn die Kinder mit in die Therapie einbezogen werden. Gerade Kinder zeigen eine große Umstellungsfähigkeit. Ihre Charakterpanzerung ist noch nicht so ausgeprägt wie bei Erwachsenen, so daß nicht selten innerhalb von zwei Sitzungen schon deutliche Verhaltensänderungen festzustellen sind, die eine weitere Therapie erübrigen.
Psychosomatische Erkrankungen von Familienangehörigen
Erkrankungen wie Asthma, Migräne, Schulter-Arm-Schmerzen oder andere Schmerzsyndrome gehen genauso wie die Colitis mucosa oder ulcerosa und der Tinnitus mit starker Abwehr gegenüber Psychotherapie einher. Es ist nicht nur eine vorwiegend somatisch orientierte Medizin daran mitbeteiligt, daß diese Familien einer psychotherapeutischen Behandlung ablehnend gegenüberstehen, sondern die Abwehr und die Schuldgefühle innerhalb dieser Familien, sich gegenüber einem dritten dem Arzt zu äußern. Hier ist es wichtig, Aufklärung zu betreiben und eine Motivation für eine erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung zu erzielen.
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